Stress und das Immunsystem

Wieso chronischer Stress schlecht für das Immunsystem ist!

 Um zu verstehen, wieso sich chronischer Stress negativ auf das Immunsystem auswirken kann, muss man zuerst verstehen, welche Vorgänge während dem, was wir so salopp als „Stress“ bezeichnen, in unserem Körper vorgehen. Vereinfacht gesagt, stellt Stress bzw. die Stressreaktion ein Überbleibsel aus der Steinzeit dar und ist das, was uns erlaubt hat uns zu dem zu entwickeln was wir sind. Die Stressreaktion versetzt unseren Körper blitzschnell in Alarmbereitschaft und aktiviert unsere körperlichen Energiereserven. Das ist von Vorteil, wenn der Säbelzahntiger aus der Höhle auf uns zugesprintet kommt – wir sind direkt kampf- oder fluchtbereit. Auch der Mangel an Säbelzahntigern in unseren heutigen Zeit hat nichts daran geändert, dass diese Reaktion in unserem Gehirn weiterhin fest verankert ist. Der Nachteil? Unser „Notfallprogramm“ wird auch dann aktiviert, wenn wir uns einer Herausforderung gegenüberstehen, deren Bewältigung für uns persönlich wichtig ist, aber deren Bewältigung nicht sicher also mit Ungewissheit über das Ergebnis verbunden ist.

Eine Pandemie, die aufgrund von andauerndem Lockdown und der Schließung von Geschäften und Unternehmen die Zukunft vieler Menschen bedroht und die eigene Zukunft ungewiss erscheinen lässt, kann daher schonmal „Stress“ auslösen. Unser Gehirn ist (leider) nicht im Stande zu erkennen, dass wir diesem Problem weder durch Wegrennen, noch durch Kampf begegnen können. Unser, bei manchen mehr, bei manchen weniger zurückgebliebenes Steinzeitgehirn tut alles dafür, um uns auf eine körperliche Konfrontation vorzubereiten. So kommt es unter einer akuten Stressbelastung zu einem Anstieg der natürlichen Killerzellen in unserem Blut. Fremdkörper, die durch offene Wunden in die Blutbahn gelangen könnten, können so schnell erkannt und unschädlich gemacht werden. Nach 30 – 60 Minuten wird die Immunreaktion jedoch wieder gedrosselt, um eine überschießende Immunreaktion in Form von allergischen Reaktionen zu verhindern und Entzündungsreaktionen zu dämpfen. Eine kurzfristige körperliche Aktivierung ist daher sogar durchaus positiv! Kritisch wird es, wenn wir dauerhaft unter Stress leiden und keine Gegenmaßnahmen zum Abbau ergreifen.

Chronifizierte Stressreaktion

Damit die Immunreaktion des Körpers im Rahmen der Stressreaktion nicht überschießt, schüttet das Gehirn bei anhaltendem Stress Kortisol aus. Dieses bewirkt im Körper, dass die Immunreaktion nicht überschießt. Kurzfristig ist diese Reaktion sinnvoll und notwendig! So wird verhindert, dass Autoimmunerkrankungen enstehen und Entzündungsprozesse überhand nehmen. Langfristig führt die vermehrte Kortisolausschüttung jedoch dazu, dass unser Immunsystem nachhaltig geschwächt wird. Die Krankheitsanfälligkeit gegenüber Infektionen der oberen Luftwege (darunter auch Covid-19!) nimmt zu. Zudem existieren (korrelative) Zusammenhänge zwischen psychischen Belastungen, einem geschwächten Immunsystem und dem Wachstum von Tumorzellen. Kurzum: chronischer Stress schwächt unser Immunsystem nachhaltig und erhöht das Risiko an Infektionskrankheiten oder Krebs zu erkranken. Eine Tatsache, die wir in Zeiten einer Pandemie kaum gebrauchen können. Die Wichtigkeit, schon jetzt eine ausreichende Stressresistenz aufzubauen zeigt eine aktuelle Querschnittstudie, die das Vorkommen von Depressionen, Stress und Angst bei stationär behandelten COVID-19 Patienten untersucht hat. Psychologische Untersuchungen im Rahmen der Studie haben gezeigt, dass 86 % der Patienten unter Depression, 100 % unter Ängsten und 85 % unter Stress litten. Stress und Depression bei COVID-19 sind daher als Regel zu sehen und nicht als Ausnahme. Die gute Nachricht: wir sind dem Stress nicht hilflos ausgeliefert und können selbst aktiv am Abbau arbeiten.

Stress abbauen durch Bewegung

Die positiven körperlichen Auswirkungen regelmäßiger körperlicher Aktivität sind wissenschaftlich hinreichend untersucht und belegt. Zudem deuten Studien vermehrt auch darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und dem psychischen Befinden / der psychischen Gesundheit besteht. Insbesondere Ausdauersport wird mit einem erhöhten Wohlbefinden und positiven Veränderungen depressiver und ängstlicher Verstimmung verbunden. Genial was so ein bisschen Bewegung so alles bewirken kann oder? Körperliche Aktivität bewirkt aber noch mehr – zum Beispiel uns vor den schädigenden Auswirkungen von chronischem Stress zu schützen. Durch körperliche Aktivität wird die bei der Stressreaktion bereitgestellte Energie verbraucht und die Widerstandskraft gegenüber Belastungen erhöht. Laborstudien haben zudem gezeigt, dass körperliche Fitness zu einer abgeschwächten Stresssreaktion und einer schnelleren Erholung nach Konfrontation mit einem Stressauslöser führt. Zu guter letzt führt regelmäßige sportliche Aktivität auch zu einer gesteigerten Selbstwirksamkeitsüberzeugung und zu weniger stressbezogenen Bewertungen. Wir werden gelassener und vertrauen mehr auf unsere Kompetenzen.

Covid-19 wird uns noch eine ganze Zeit begleiten und stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Zwar können wir an dem Verlauf der Pandemie nichts ändern, wir können aber dafür sorgen, dass wir gesundheitlich fit bleiben und damit unser Immunsystem nachhaltig stärken. Wer trotz geschlossener Fitnessstudios nicht auf sein körperliches Training verzichten möchte, kann bei uns im Rahmen der Krankengymnastik am Gerät (KGG) weiterhin eine aktive Trainingstherapie durchführen. Vorraussetzung ist eine entsprechende ärztliche Verordnung.

Quellen

Bouchard, C., Shepard, R.J., Stephens, T., Sutton, J.R., & McPherson, B.D. (1991) Exercise, Fitness and Health – A consensus of current knowledge. Champaign: Human Kinetics Books.

Fuchs, R. (2003). Sport, Gesundheit und Public Health. Göttingen: Hogrefe

Kaluza, G., Keller, S., & Basler, H.D. (2001). Beanspruchungsregulation durch Sport? – Zusammenhänge zwischen wahrgenommener Arbeitsbelastung, sportlicher Aktivität und psychophysischem Wohlbefinden. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 9, 26 -31.

 Zandifar A, Badrfam R, Yazdani S, Arzaghi SM, Rahimi F, Ghasemi S, Khamisabadi S, Mohammadian Khonsari N, Qorbani M. Prevalence and severity of depression, anxiety, stress and perceived stress in hospitalized patients with COVID-19. J Diabetes Metab Disord. 2020 Oct 29:1-8. doi: 10.1007/s40200-020-00667-1. Epub ahead of print. PMID: 33145259; PMCID: PMC7594988.

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